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Anmerkung:
schwarzer Text -> Information/Aktivität von Lehrer- oder Schulseite
blauer Text -> Aktivität von Elternseite


Am Freitag, den 13. März, wird verkündet, dass ab Montag, den 16. März, im Saarland alle Schulen geschlossen sind. Ferien sind es aber nicht. Was nun?

Ebenso am 13. März richten die Elternsprecher unserer Klasse eine Whatsapp-Gruppe für alle Eltern ein, damit Informationen schnell verteil werden können.

1. Woche

Am 16. März kommt eine Mail von der Klassenlehrerin: Es soll kein Kind benachteiligt werden. D.h. es wird nur geübt und vertieft und geht nicht im Stoff voran.

Diese Regelung versucht bildungsgerecht zu sein, aber mir ist da schon klar, dass mein Kind nicht zu motivieren sein wird, etwas zu üben, was es schon kann. Im Endeffekt wird es alleine gelassen und fällt wahrscheinlich zurück.

Ebenso am 16. März habe ich ein Slack für die Klasse angelegt. Dort wird es Channels für alle Fächer geben. Die Arbeitsaufträge können dort fachweise hinterlegt werden. Es können Fragen gestellt und Fotos von fehlenden Buchseiten zur Verfügung hochgeladen werden. Nur eine Mutter gibt Feedback: Was soll ein weiterer Kanal neben Whatsapp und Mail? Der Rest sagt nichts.

Am 17. März kommen die ersten Arbeitsaufträge einiger Fachlehrer gebündelt über die Klassenlehrerin. Das ist gut. Einige der Aufträge nehmen bezug auf die Situation der Kinder, einige nicht. In manchen Aufträgen werden Bücher verlangt. Es wurde nie erfragt, welche Kinder ihre Bücher zu Hause haben.

Die Arbeitsaufträge sind meist Einbahnstraßen: Bitte denkt dran, dass ich gut 200 SchülerInnen habe. Schreibt mir nicht. Aber wenn wieder Schule ist, werde ich alle bearbeiteten Arbeitsaufträge einsammeln!

Nachschlag am 19. März: Es kommt noch ein Arbeitsauftrag per Mail. In manchen Fächern wird es mit den neuen Arbeitsaufträgen Lösungen der vorherigen Arbeitsaufträgen geben. Die Kinder sollen das selber korrigieren.

2. Woche

Am 23. und 26. März kommen die Arbeitsaufträge der 2. Woche per Mail.

Am 25. März lädt ein Schüler die ganze Klasse zu einer gemeinsamen Videokonferenz ein. Es kommen nur fünf Jungs zur Konferenz. Spontan hat die Klassenlehrerin Zeit, beim Treffen vorbeizuschauen. Es gefällt ihr sehr, wenigstens einen Teil ihrer Klasse zu sehen. Aber warum nicht mehr Kinder dabei sind, weiß niemand.

3. Woche

Am 30. und 31. März kommen die Arbeitsaufträge der 3. Woche per Mail. Es ist eine anonyme Umfrage dabei, wie es den Kindern geht, ob sie sich gut betreut fühlen oder mehr Kontakt zu den Lehrern wünschen.

Videokonferenz zu Physik

Am 30. März findet die erste von Eltern organisierte Videokonferenz zu den verschickten Arbeitsaufträgen statt. Es wird Physik gemacht. Die reine Kontrolle der Ergebnisse war nicht so spannend. Da geht mehr. Zu den Aufgaben wurden vorher Scratch-Programme erstellt: Sportfest, Roberts und Gernots Auto. Mit Erklärung kann jeder die Programmierung verstehen – insbesondere wenn alle über Bildschirmteilen das Gleiche sehen, aber das hätte die Teilnehmer heute wahrscheinlich verwirrt. Die Situation in der Videokonferenz war zu neu. Es waren vier Jungs dabei.

Videokonferenz zu Englisch

Englisch lernen nur von Arbeitsblättern wird nicht klappen. Die große Schwester eines Schülers bietet an, einen Teil der Englischaufgaben in einer 30-minütigen Videokonferenz zu besprechen. Die Videokonferenz findet am 31. März statt. Es waren nur zwei Jungs dabei. (Wo sind die Mädchen?)

Da das Bedürfnis nach Austausch in der Klasse nicht groß zu sein scheint, wird am 1. April eine neue Whatsapp-Gruppe angelegt, in der Online-Lernangebote gepostet werden.

Videokonferenz zu Biologie und Deutsch

Am 2. April bietet ein Elternteil eine Online-Stunde per Videokonferenz zu Biologie und Deutsch an. Es soll diesmal mehr werden als nur das Vergleichen der Ergebnisse.

In Deutsch haben die Kinder eine neue Lektüre begonnen: „Ein Schatten wie ein Leopard“ von Myron Levoy. Sie sollen sich Gedanken machen über Cover und Titel des Buches. Wir stellen fest, dass der Jugendroman eigentlich in Englisch geschrieben worden ist und suchen im Internet den englischen Titel. Neben dem Cover der deutschen Ausgabe schauen wir uns Cover einiger englischer Ausgaben an. Die Kinder finden Cover und Titel komisch und haben dazu keine Assoziationen, die wirklich hilfreich sind.

Eigentlich hätten die Kinder gemeinsam an der Präsentation arbeiten können und ihre Ideen zu Cover und Titel sammeln, aber es waren alle nur mit dem Handy in der Videokonferenz. So kann man leider nicht zusammenarbeiten. Vielleicht lässt sich das für kommende Konferenzen ändern.

Bei der Internetsuche zum Autor haben wir herausgefunden, dass Myron Levoy anscheinend Ende letzten Jahres verstorben ist: Quelle. Das steht aber noch nicht in seinem Wikipedia-Eintrag. Wir ändern gemeinsam den Wikipedia-Eintrag und geben auch die Quelle an.

Unsere Änderungen am Wikipedia-Eintrag zu Myron Levoy müssen geprüft werden
Es wurde viel „gesichtet“, aber unsere Änderungen wurden angenommen.
Angabe des Todestages in Wikipedia
Angabe der Quelle

Über „innere Monologe“ haben wir nicht gesprochen. Das steht eher der Deutschlehrerin zu.

In Biologie ist Immunabwehr Thema. Dazu gab es zwei Aufgaben, die sich gut als LearningApps anbieten lassen.

Da die LearningApps für die Kinder neu sind, habe ich sie vorbereitet. Zwei Apps sollen heute gespielt werden.

Die dritte App hatte Fehler und musste korrigiert werden. Da nur ein Kind mit dem Computer an der Videokonferenz teilgenommen hat, hat es alle Änderungen gemacht. Die anderen konnten nur zuschauen. Es wäre schöner gewesen, wenn alle hätten mitarbeiten können.

Anmerkung: Mittlerweile haben wir alle Fehler aus den LearningApps entfernt.

Am 2. April verteilt die Klassenelternsprecherin Informationen des Ministeriums für Bildung und Kultur: Niemand soll benachteiligt werden, nichts darf benotet oder negativ angerechnet werden. Alle Elterninformationen des Ministeriums finden sich hier: https://corona.saarland.de/DE/schulenundkitas/rundschreiben/rundschreiben_node.html

Am 4. April kommt die Ankündigung, dass sich alle SchülerInnen unserer Schule für die neue Lernplattform „ONLINE Schule Saarland“ (OSS) anmelden sollen. Am 9. April soll jeder Fachlehrer überprüfen, ob seine SchülerInnen vollzählig in seinem Kurs angekommen sind.

OSS ist ein Moodle. Ob es mehr wird, als dass die Arbeitsaufträge jetzt nicht mehr per Mail kommen, sondern dort abgeholt werden müssen?

4. Woche

In der 4. Woche ab 6. April sollen sollen die Arbeitsaufträge parallel per Mail und OSS verteilt werden. Für einige Fächer stimmt das auch. Die Klassenlehrerin kündigt eine freiwillige Videokonferenz für alle SchülerInnen am 9. April an.

Videokonferenz zu Englisch

Am Mittwoch, den 8. April, findet wieder eine Online-Stunde (30 Minuten) zu Englisch statt. Diesmal sind ca. 7 Jungs dabei.

Videokonferenz zu Biologie und Geschichte

Am Donnerstag, den 9. April, findet vor der Klassenvideokonferenz ein elternorganisiertes Angebot zu Biologie und Geschichte statt. In Biologie werden die Fehler aus der letzten LearningApp entfernt (siehe oben). Für Geschichte beginnen wir eine LearningApp zum Lückentext. Diese App können die Schüler dank geteiltem Bildschirm selber erstellen. Jetzt waren zwei Kinder mit Computer dabei. Die Lösung ist, dass die Konferenz wie gewohnt über das Handy läuft und eine zweite Konferenzteilnahme über den Computer ohne Bild und Ton erfolgt: Ton und Videobild über das Handy, Arbeiten über den Computer.

Die LearningApp zu Geschichte ist noch nicht fertig geworden. Bei der Videokonferenz heute waren 3-4 Jungs dabei.

Am Donnerstag, den 9. April, findet die freiwillige Videokonferenz statt. Etwa 2/3 der SchülerInnen sind dabei. Nach der Konferenz verschickt die Klassenlehrerin eine Mail an alle Eltern: Eigentlich läuft alles gut; nach der Ferien könnte es Videokonferenzen für alle geben, wenn es über OSS läuft; nein, sie kann im Moment kein Rückmeldungen geben, weil es einfach zu viele SchülerInnen sind; am Ende der Ferien kann es eine Videokonferenz für die Eltern geben; frohe Ostern.

Jetzt sind Osterferien, in denen die Kinder nichts für die Schule machen sollen.